„Selbst der Mujahid, der Opium raucht, hat eine höhere Stellung als der Pilger, der vor der Kaba kniet!“
Im Islam haben wir wahre Vorbilder. Unsere Helden in der Ummah sind nicht erfunden wie die Hollywood-Vorbilder im Westen. Die Vorbilder, die wir haben, sind sehr menschlich und wir können dies sehen, wenn wir auf das Schlachtfeld blicken. Die Welt behält die Mujahidin im Auge und sie kritisiert sie sehr stark bei dem kleinsten Fehler, den sie zeigen, falls man dies überhaupt als wahren Fehler bezeichnen kann. Eines der vielen Missverständnisse, die den Jihad und die Mujahidin betrifft, ist, dass der Mujahid fehlerlos ist oder zumindest sein sollte. Man stellt sich den Mujahid als eine Art Heiligen vor, frei von jeglichen Fehlern. Viele Muslime denken so. Doch die Realität ist, dass der Mujahid ein Mensch wie jeder andere Mensch ist, mit all seinen menschlichen Schwächen und Fehlern. Er kann Sünden begehen und Fehler machen. Denk über die Tatsache nach, dass viele Mujahidin in Syrien noch vor wenigen Jahren in Achtlosigkeit (Ghaflah) gelebt haben, in der bis heute noch viele Muslime in vielen Ländern noch leben. Allah veränderte die Situation der Syrer und öffnete für sie die Türen des Jihads. Dasselbe gilt für die Muslime im Irak, in Libyen und in anderen islamischen Ländern, die plötzlich aus ihrer Achtlosigkeit erwacht sind, als sie mit der harten Realität des Krieges und der blutigen Unterdrückung konfrontiert wurden. Doch bedeutet dies, dass der Mujahid all seine schlechten Gewohnheiten und Sünden verloren hat und über Nacht sündenlos wurde? Wenn wir auf den Jihad warten bis all unsere Sünden verschwinden, werden wir niemals Jihad machen.
In Syrien gibt es beispielsweise Mujahidin, die immer noch von Zigaretten abhängig sind. Es gibt Mujahdin, die Sünden begehen. Jene, die was anderes behaupten, sind sehr naiv bezüglich der Realität. Doch bedeutet dies, dass ein sündender Mujahid nicht die Stellung eines Mujahids hat? Können wir auf einen Mujahid herabschauen, der Sünden begeht und ihn nicht zu den Mujahidin zählen? Mit Sicherheit nicht!
Sheikh Abdullah Azzam wurde einst in Afghanistan gefragt, ob der Jihad einiger afghanischen Mujahidin, die zu dieser Zeit gegen die kommunistischen Russen kämpften, angenommen wird. Denn einige von ihnen waren immer noch vom Opium abhängig und haben es während ihres Jihads nicht geschafft die Sucht zu bewältigen. Darauf gab der Sheikh eine wunderschöne Antwort, er sagte:
„Selbst der Mujahid, der Opium raucht, hat eine höhere Stellung als der Pilger, der vor der Kaba kniet!“
Denn es gibt keine Form der Anbetung, die wertvoller ist und die Sünden wegwischt, als den Jihad. Er ist der Gipfel der Anbetung. Der Pilger, der vor der Kaba betet, nutzt nur sich selber, im Gegensatz zu dem Mujahid, der sein Leben auf dem Schlachtfeld opfert, um die Muslime zu verteidigen.
Abdullah ibn Mubarak sagte auch:
„Wenn die guten Taten von einem die schlechten Taten überwiegen, werden seine üblen Taten nicht erwähnt. Und wenn seine schlechten Taten seine guten Taten überwiegen, dann werden seine guten Taten nicht erwähnt.“ (Ad-Dhahabi in seinem Siyar)
Wenn dies die Muslime nicht überzeugt, dann lasst uns auf die beste Generation dieser Ummah blicken. Der Gefährte Abi Mihjan war ein Alkoholiker bevor er Muslim wurde. In der Zeit der Jahiliya sagte er sogar zu seinem Sohn: „Wenn ich sterbe, beerdige mich neben einen Weinberg, so dass die Trauben meinen Durst stillen können. Und beerdige mich nicht in der Wüste, denn ich fürchte, dass ich nach meinem Tod niemals das Aroma des Weines schmecken werde.“ Er war wirklich abhängig. Als er dann zum Islam konvertierte, konnte er diese Sucht nicht vollständig bewältigen. Manchmal trank er Alkohol. Er zeigte Reue und wurde dafür bestraft. Bis er wieder von seiner Sucht überwältigt wurde. Danach bereute er wieder und wurde bestraft. Dies setzte sich jahrelang bis zu der Führung von Umar ibn al-Khattab fort. Dies scheint seltsam zu klingen, doch dies zeigt uns die Menschlichkeit der Gefährten. Sie waren Menschen wie wir. Daher sind sie auch perfekte Vorbilder für uns! Wenn Allah uns sündenlose Engel als Vorbilder gegeben hätte, wären wir niemals in der Lage, ihren Fußstapfen zu folgen.
Die Schlacht von Qadisiya ereignete sich und Umar ibn al-Khattab schickte die muslimische Armee, um gegen die Perser zu kämpfen. Der Armeebefehlshaber zu dieser Zeit war Sa´d ibn Abi Waqqas. Der Gefährte Abi Mihjan at-Thaqafi wollte an dieser Schlacht teilnehmen, doch Sa´d ibn Abi Waqqas sagte ihm, dass er nicht teilnehmen könne, da er als jemand bekannt war, der Alkohol trank und daher nicht geeignet war. Abi Mihjan bestand darauf und sagte, dass Allah ihm vielleicht vergeben würde, indem Er ihm das Märtyrertum schenken und ihn so von seinen Sünden reinigen würde. Nachdem er weiterhin darauf bestand, schloss er sich anschließend an. Die Armee kam am Schlachtfeld an und schlug ihr Lager auf. Währenddessen fanden Verhandlungen zwischen Sa´d und den Persern statt. Sie nahmen mehr Zeit in Anspruch als erwartet. So vergingen einige Tage ohne Kampf. Währenddessen begann Abu Mihjan sich nach Alkohol zu sehnen, bis er schließlich einknickte und heimlich Alkohol trank. Die Nachricht erlangte Sa´d ibn Abi Waqqas, dass er Alkohol getrunken hatte. Sa´d war sehr wütend. Er bestrafte Abu Mihjan und fesselte ihn in seinem Zelt. Ihm wurde verboten, am Krieg gegen die Perser teilzunehmen.
SubhanAllah, dies war seine Bestrafung! Sein Geld wurde ihm nicht weggenommen. Er wurde nicht gefoltert oder misshandelt. Nein, seine Bestrafung war, dass ihm nicht erlaubt wurde, sein Leben auf dem Schlachtfeld zu opfern! Ihm wurde nicht erlaubt nach dem Märtyrertum zu streben. Dies war seine Bestrafung! Daher wurde Abu Mihjan sehr traurig. Er bettelte und sagte, dass er bereuen würde. Er beharrte darauf an der Schlacht teilzunehmen. Doch Sa´d weigerte sich und änderte seine Meinung nicht. Dies ist der Unterschied zwischen unserer Generation und ihrer Generation. Wir fliehen vom Schlachtfeld und vor dem Märtyrertum und sind glücklich, wenn wir davongekommen sind. Sie dagegen rannten darauf zu und wurden traurig, wenn sie es nicht erlangten. Wir betrachten den Kampf und das Märtyrertum als eine Bestrafung, während sie dies als das Gegenteil einer Bestrafung erachteten.
Die Schlacht von Qadisiya fing schließlich ohne Abu Mihjan an. Viele wurden auf beiden Seiten getötet: Perser und Muslime. Währenddessen saß Abu Mihjan die ganze Zeit gefesselt in seinem Zelt. Er war verzweifelt und versuchte hinauszukommen, doch er schaffte es nicht. Nach einer Weile wurde er müde es weiter zu versuchen und er begann zu schreien. Salma, Sa´ds Ehefrau, hatte ihn gehört. Sie kam zu ihm und fragte, was er wollte. Vielleicht wollte er ja etwas essen oder trinken. Doch er begann Salma anzuflehen. Er sagte: „Lass mich bitte gehen und gib mir Sa´ds Pferd, so dass ich kämpfen kann! Wenn ich sterbe, dann bist du von meiner Last befreit und wenn ich überlebe, verspreche ich, dass ich zurückkommen und mich selber fesseln werde!“
Sa´d selber konnte nicht an der Schlacht teilnehmen, da er eine Wunde an seinem Bein hatte. Er führte die Armee von etwas Entfernung auf einer Bergspitze an. So wusste Abu Mihjan, dass sein Schlachtpferd zurückgeblieben war. Salma fühlte mit und wurde schließlich von Abu Mihjan überzeugt. Doch sie bat ihn, sein Versprechen zu halten, wenn er überleben sollte. Abu Mihjan versprach, dass er zurückkehren und sich an seinem Platz fesseln würde, wenn er überlebt. Sie ließ ihn daraufhin frei und gab ihm Sa´ds Pferd und bedeckte sein Gesicht, so dass ihn niemand erkennen würde, fürchtend, dass sie ihn sonst zurückschicken würden.
Als die Muslime ihn sahen, waren sie über die unbekannte, verschleierte Person verwundert. Sie fragten sich, wer er sei. Sie hatten ihn zuvor nicht auf dem Schlachtfeld gesehen. Sie starrten ihn misstrauisch an und behielten ihn im Auge. Dann sahen sie, dass er große Heldentaten auf dem Schlachtfeld zeigte. Er fügte dem Feind harte Schläge zu. Er ließ rechts und links Opfer hinter sich! Als die Muslime dies sahen, dachten sie, dass vielleicht Umar ibn al-Khattab verstärkende Truppen geschickt hätte. Andere wiederum dachten, dass Allah die Truppen mit Engeln verstärkt hatte. Und derjenige von den Muslimen, der sich am meisten wunderte, war Sa´d ibn Abi Waqqas. Er blickte von einer gewissen Entfernung auf das Schlachtfeld und war von diesem heldenhaften Krieger fasziniert. Sein Kampfstil ähnelte dem von Abi Mihjan und sein Pferd schien Balqaa zu sein: Sa´d ibn Abu Waqqas´ Pferd. Aber wie konnte dies sein, dachte er sich, denn Abu Mihjan war gefesselt und sein Pferd war ebenso angebunden. So war Sa´d verwundert und konnte dies nicht verstehen.
Schließlich war die Schlacht vorüber und beide Seiten zogen sich zu ihren Stützpunkten zurück. Abu Mihjan, der überlebt hatte, kehrte zu seinem Zelt zurück und fesselte sich wieder wie versprochen. Als Sa´d ibn Abu Waqqas auch zurückkehrte, schaute er nach, ob sein Pferd noch da war. Er sah, dass sein Pferd am schwitzen und am schnaufen war. Daraufhin ging er zu Abu Mihjan und sah, dass dieser mit Blut bedeckt und schwer verwundet war. Sa´d sagte zu ihm: „Hast du gekämpft?“ Abu Mihjan sagte: „Ja, das habe ich und ich verspreche, dass ich nie wieder trinken werde!“ Er konnte die Schläge der Peitsche ertragen, doch er konnte sich nicht vom Jihad fernhalten. Dies war eine zu große Strafe! Sa´d sagte daraufhin: „Und ich verspreche dir, dass ich dich nie wieder so bestrafen werde!“
Daraus lernen wir, dass ein sündiger Muslim, trotz seiner Fehler und trotz seiner Mängel ein höheres Ziel verfolgen kann! O sündiger Bruder, auch du kannst erhabene Ziele besitzen, auch du kannst von Allah und Seinem Propheten (sas) geliebt werden, trotz deiner Sünden. Auch du kannst für die Ummah und für diese Religion von großem Wert sein. Allah erwählte Abu Mihjan als einen von den Gefährten des Propheten (sas), trotz seiner Mängel und Sünden. Er kämpfte unter den rechtgeleiteten Kalifen. Er kämpfte Seite an Seite mit den edlen Gefährten. So kannst auch du von Allah für eine geehrte und erhabene Stellung in der Ummah erwählt werden, trotz deiner großen Fehler und Sünden. Du kannst hinaufsteigen, du kannst für diese Ummah und für diese Religion von großem Wert sein, inshaAllah. Lass deine Sünden keine Entschuldigung sein!
Wir neigen häufig dazu, uns auf die schlechten Taten einer Person zu konzentrieren und wir lassen sie schwerer wiegen als ihre guten Taten. Doch wir lernen aus Abu Mihjans Biografie, dass wir die Sünden einer Person entschuldigen können, wenn seine enormen guten Taten seine Fehler auf große Art und Weise überwiegen. Wie der Prophet (sas) sagte:
„Fürchtet Allah, wo immer ihr seid und lasst einer schlechten Tat eine gute Tat folgen, denn dies wird die Sünde löschen. Und seid gütig zu den Menschen.“ (at-Tirmidhi, Hassan)
Die Holländischen Mujahidin der Jabhat un Nusra in Syrien
Quelle: https://alminara.wordpress.com/

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