17 Aralık 2015 Perşembe

Al Jazeera Reportage mit Abu Muhammad al Jaulani

Der Al Jazeera Journalist Ahmad Mansour hat am letzten Mittwoch (27.05.2015) eine Reportage mit dem Führer der Jabhat al Nusra, Abu Muhammad al Jaulani, live aus Syrien geführt. Hier die deutsche Übersetzung:
Ahmad Mansour: Möge der Frieden und Segen Allahs und Seine Gnade auf Sie sein. Ich grüße Sie und heiße Sie in einer neuen Folge des Programms „Ohne Grenzen“ willkommen, in einem der befreiten Gebiete in Nordsyrien. Wo die kürzliche Siege stattgefunden haben, die durch Jaish al-Fath durch seinen Schatten auf dem Schlachtfeld innerhalb und außerhalb Syriens erlangt wurden und Jabhat al-Nusra wird als eine der wichtigen Säulen des Jaish al-Fath betrachtet. Obwohl sie von den USA anders als die anderen beschrieben wird, nämlich als eine Terrororganisation.
Zur selben Zeit bombardiert das syrische Regime die Stützpunkte der Jabhat al-Nusra und ihrer Männer, die amerikanischen und die US-Koalition-Flugzeuge bombardieren ebenso dieselben Ziele. Die Stützpunkte der Jabhat al-Nusra und irer Führer wurden durch diese Raketen getroffen, nachdem die USA Jabhat al-Nusra und IS (islamischer Staat) gleichgesetzt hat, obwohl es zwischen ihnen einen großen Unterschied bezüglich des Glaubens, der Gedanken und sogar des Militärs gibt.
Jabhat al-Nusra wurde im Januar 2012 gegründet, nachdem Abu Muhammad al-Joulani aus dem Irak zurückkehrte, wohin er im März 2003 gereist war, um die amerikanischen Truppen zu bekämpfen, die den Irak zu dieser Zeit besetzten. Joulani kam nach Syrien zurück und veröffentlichte seine erste Erklärung am 24.Januar 2012, in der er die Gründung der Jabhat al-Nusra verkündete. Darin sagte er: „Sie strebt danach, die Herrschaft Allahs auf der Erde zurückzubringen und sich für die verletzte Ehre und das vergossene Blut zu rächen.“ Jabhat al-Nusra erschütterte durch ihre starken und rasenden Operationen zu Beginn gegen das syrische Regime und seine Geheimdienststellungen in der Hauptstadt Damaskus.
Und als Abu Bakr al-Baghdadi, der Führer des islamischen Staates im Irak und dem Levant, die Verschmelzung von Jabhat al-Nusra mit dem IS verkündete, erklärte Jabhat al-Nusra im April 2013 ihre Erneuerung des Treueschwurs gegenüber Dr.Ayman az-Zawahiri, lehnte dies ab, was Baghdadi erklärt hatte. Jabhat al-Nusra wurde in einen Kampf gegen den IS hineingezogen, in dem der IS die Macht über viele Gebiete übernahm, die sich unter der Kontrolle der Jabhat al-Nusra befunden hatten, einschließlich den syrischen Gebieten, die reich an Ölressourcen sind.
In unserer Folge heute, werden wir versuchen die Ziele und die Strategie der Jabhat al-Nusra zu verstehen und die Realität ihrer Ziele. Mit der Berücksichtigung, dass sie eine der wichtigen militärischen Mächte momentan auf dem Schlachtfeld Syriens ist, die mit ihren Operationen darum kämpft, den Fall des Regimes herbeizuführen. Und unsere Unterhaltung findet heute mit dem Gründer der Jabhat al-Nusra statt, Abu Muhamad al-Joulani. Abu Muhammad, wir heißen dich willkommen, ich danke dir, dass du al-Jazeera und das Programm Bilaa Hudud (Ohne Grenzen) für diesen Dialog ausgesucht hast. Ich habe dutzende Fragen, die vielleicht von vielen Journalisten geteilt werden, in allen Ecken der Welt, die dich um ein Interview gebeten haben, doch du hast uns vor den anderen gewählt.
Ich wollte mit den neuesten Siegen beginnen, die durch Jaish al-Fath, wobei Jabhat al-Nusra als eine ihrer Säulen betrachtet wird, erlangt wurden. Die Befreiung von Idlib und von dem militärischen Lager al-Mastouma und kürzlich von dem Staatskrankenhaus in Jisr as-Shughour. Was ist die militärische, strategische Bedeutung dieser Siege?
Abu Muhammad al-Joulani: Im Namen Allahs, alles Lob gebührt Allah und der Segen und Frieden seien auf dem Propheten, seiner Familie und seinen Gefährten. Was dem folgt…
Zunächst sind all diese Gebiete, die kürzlich befreit wurden, die ersten Verteidigungslinien der Küstengebiete. Das gesamte Gebiet zwischen Ladikiya und Idlib wurde durch das Regime mit großen, militärischen Ausrüstungen verteidigt, wie Qarmin, Mastuma, die Stadt ar-Rihaa und Jish al-Shoughour und viele andere Stützpunkte, die in diese Kategorie fallen, wie Hanbal und al-Qiyasaat und Frayqa usw.. Diese Gebiete werden als die ersten Verteidigungslinien für die Küstengebiete betrachtet. Diese Gebiete sind Sunni und dann kommen die Gebiete, in denen die Nusairy-Alawiten leben. Sie werden als erste Verteidigungslinien für die Nusairy-Gebiete betrachtet, denen das Regime größere Wichtigkeit geben als anderen. Die Kämpfe fanden in den Sunni-Gebieten statt und nun sind sie zu den (Nusairy) Gebieten gezogen, in denen das Regime die Unterstützung der Bevölkerung besitzt.
Ahmad Mansour: Nun seid ihr nicht mehr als 30 km von al-Qirdaha entfernt, der Hauptstadt der Alawiten, wie ihr Spitzname, die Stadt der Assad-Familie. Darin befindet sich das Grab von Hafidh al-Assad, dem Vater. Viele alawitische Hochburgen sind jetzt nur noch ein Steinwurf von euch entfernt. Welche ist eure zukünftige Schlacht, oder welche Vision habt ihr bezüglich der alawitischen Gebiete, im Schatten von dem, was gesagt wurde: dass Jabhat al-Nusra ein historisches Massaker an den Alawiten in den Gebieten al-Ladiqiya und al-Sahil (die Küste) plant?
Abu Muhammad al-Joulani: Zunächst einmal, die Nusairys oder die Alawiten haben sehr große Massaker gegen die Sunniten begangen. Dieses Regime, seitdem es ungefähr vor vierzig Jahren die Macht erlangt hat, wurde in seinen Grundmauern auf die Alawiten und Nusairys erbaut. Sie sind diejenigen, die in Hamaa Massaker begangen haben, sie sind diejenigen, die Fassbomben auf die Bewohner und Muslime werfen, in allen Gebieten, sie sind diejenigen, die in den Gefängnissen foltern, sie sind diejenigen, die Frauen vergewaltigen und Kinder töten, sie sind diejenigen, die Millionen zu Flüchtlingen gemacht haben, die überall auf der Welt auf der Flucht sind, manche sind im Meer ertrunken, andere betteln um zu überleben, manche leben in Flüchtlingslagern in den umliegenden Ländern. Sie sind dafür verantwortlich ungefähr eine Millionen Sunnis in Shaam getötet zu haben.
Daher gibt es zwischen den Sunnis und den Alawiten sehr große Auseinandersetzungen. Sie haben die Sunnis sehr, sehr häufig verletzt und verwundet. Natürlich kämpft Bashar al-Assad nicht selber, er kämpft mit diesen Menschen, diesen Gruppen und jenen, die sich natürlich mit ihnen verbünden. Es gibt auch Menschen unter den Sunnis, die sich mit dem Regime von Bashar al-Assad verbünden. Nicht nur Alawiten; doch sie sind die Wurzel der Macht. Sie sind der Strang des Regimes, die aus diesen Gebieten stammen. Diese Gebiete waren in den letzten vier Jahren sicher, sie wurden nicht mit Angriffen konfrontiert, denn die ersten Schusslinien waren gegen das Regime und diese waren in den Sunni-Gebieten. Doch nun hat der Kampf begonnen, sich in den alawitischen Gebieten zu bewegen.
Ahmad Mansour: Manche (alawitische) Städte sind nicht weiter von eurer Schussweite als drei Kilometer entfernt?
Abu Muhammad al-Joulani: Wir haben sie tatsächlich umzingelt. Die Alawiten haben heute verstanden, dass dieses Regime nicht in der Lage ist, sie zu beschützen. Sie haben seinen Thron erbaut, das Regime hat diese Sekte stark genutzt, um den Thron der Assad-Familie zu errichten. Doch nun hat sich die Zauberei gegen den Zauberer gewandt, es hat sich zu einem Verlust gewandelt. Doch der Kampf in Shaam wurd nicht in al-Qirdaha (der alawitischen Hauptstadt) enden. Er wird in Damaskus enden. Das Ende dieses Kampfes wird in Damaskus sein. Daher legen wir größte Wichtigkeit in dem, was helfen wird, dieses Regime zu vernichten. Die Alawiten haben tatsächlich geholfen, es aufzubauen, doch unser Krieg bedarf keiner Rechtfertigung. Obwohl wir die Alawiten als eine Sekte betrachten, die die Religion Allahs verlassen hat, durch die Worte der islamischen Gelehrten und Rechtsgelehrten. Sie werden nicht als eine Sekte betrachtet, die zu den Menschen des Islams gehört. Sie haben die Religion Allahs und den Islam verlassen. Was uns angeht, so bekämpfen wir heute nur jene, die ihre Waffen gegen uns erhoben haben. Wir kämpfen jene, die uns bekämpfen.
Ahmad Mansour: So ist eure juristische Haltung in dem, was ihr tut, das Verteidigen gegen den angreifenden Feind und nicht Siege zu erlangen, um einen Staat zu errichten?
Abu Muhammad al-Joulani: Ja, wir unterscheiden uns darin von anderen. Wir befinden uns immer noch in der Stufe, in der wir uns gegen den angreifenden Feind verteidigen. Wir kämpfen heute gegen jene, die uns bekämpfen, seien es Sunnis oder nicht und es gibt Menschen von den Sunnis, die uns bekämpfen.
Ahmad Mansour: So bekämpft ihr nicht all jene Fronten, die nicht ihre Waffen erheben?
Abu Muhammad al-Joulani: Zu diesem Zeitpunkt bekämpfen wir nicht jene, die uns nicht bekämpfen. Es gibt Städte von Drusen, die Bashar al-Assad nicht unterstützen und nicht kämpfen, es gibt sie in den befreiten Gebieten und ihnen wird nicht geschadet.
Ahmad Mansour: Da du nun das Thema über die Städte der Drusen angeschnitten hast, so war ich in den letzten paar Tagen überrascht, als ich durch viele der befreiten Gebiete reiste. Ich reiste hunderte Kilometer und sah mehr als zehn drusische Städte. Ich war überrascht, dass ihr diejenigen seid, die diese Menschen beschützen. Es gab ebenso christliche Städte. So war dies für mich überraschend.
Abu Muhammad al-Joulani: Was die Drusen angeht, so nähern wir uns ihnen mit der Dawah. Wir schickten viele Prediger zu ihnen, sie lehrten ihnen die Fehler der Aqidah (islamische Fundamente), die sie machten und wir sahen, dass sie sich von diesen Fehlern der Aqida, die sie machten, fernhielten.
Ahmad Mansour: Doch ihr besetzt ihre Städte und zerstört ihre Häuser nicht, ihr konfesziert nicht ihren Besitz, ihr zerstört nicht ihre Gebetsplätze, ihr tut diese Dinge im Moment nicht?
Abu Muhammad al-Joulani: Nein, nein, absolut nicht. Was die Gebetsorte angeht, wenn es dort etwas gab, das sich gegen die Sharia richtete, sind wir entsprechend der Sharia damit umgegangen. Wenn es Gräbertempel gab, die sie besuchen, betrachten wir dies als Shirk, der Islam betrachtet dies als Shirk mit Allah, dem Allmächtigen, so haben wir sie davon abgehalten. Wir sagten, dass wir Leute zu ihnen geschickt haben, die ihren islamischen Glauben korrigiert haben, sie lehren ihnen die Dinge, die sie von der Religion des Islams verlassen haben. Dass man gegen sie vorging, dies ist absolut nicht geschehen. Genauso auch die Nusairy-Alawiten heute, nach all den Massakern, die sie begangen haben, unsere Religion ist eine Religion der Barmherzigkeit, wir sind keine kriminellen Mörder, wir bekämpfen jene, die uns bekämpfen. Wir kämpfen und stehen gegen Unterdrückung. Selbst die Alawiten, wenn wir ihnen ihre Fehler zeigen und die Gründe dafür, weshalb ihre Religion falsch ist, und sie sich davon fernhalten und ihre Waffen fallen ließen und sich von den Taten von Bashar al-Assad distanzieren, wenn sie dies tun, sind sie nicht nur vor uns sicher, mehr noch, wir werden die Verantwortung übernehmen, sie zu beschützen und sie zu verteidigen. Denn sie kehren zu ihrer Religion zurück und distanzieren sich von dem Tyrannen Bashar al-Assad und werden unsere Brüder. Wir werden sie auf dieselbe Weise beschützen, wie wir uns selber beschützen.
Ahmad Mansour: Schickst du diese deutliche Botschaft gerade an die Alawiten?
Abu Muhammad al-Joulani: Natürlich, wenn die Alawiten in diesem Moment eine Entscheidung treffen, nicht einen allgemeinen Erlass, sondern jede Stadt (oder Dorf) distanziert sich selber von Bashar al-Assad und distanziert sich selber von seinen Taten gegen die Sunnis und hält ihre Männer davon zurück, mit Bashar al-Assad in seinen Reihen zu kämpfen und hält sich von Fehlern in den islamischen Fundamenten zurück, die sie außerhalb ihrer Religion versetzen, und wenn sie zum islamischen Glauben zurückkehren; dadurch werden sie zu unseren Brüdern. Wir werden sie verteidigen, wie wir uns selber verteidigen. Und wir werden all die Wunden vergessen, die zwischen uns und ihnen sind. Denn wir werden sie als jene betrachten, die in ihrer Vergangenheit abgewichen sind.
Ahmad Mansour: Verzeih mir, wenn ich dich hier unterbreche. Können wir dies als ein offizielles Statement von dir an alle alawitische Städte betrachten, mit all ihren Bewohnern, Männern und Frauen, und jedem, der sich in eurer Schussweite befindet?
Abu Muhammad al-Joulani: Ja, natürlich. Und dies ist sogar etwas, das wir bereits zu diesem Zeitpunkt am Boden anwenden. Wir haben beispielsweise Soldaten, die mit dem Regime für vier Jahre gekämpft haben und die ohne Zweifel Sunnis getötet haben usw... Manchmal umzingeln wir ein bestimmtes Gebiet, dann kommt dieser Soldat heraus und ergibt sich selber. Er sagt, dass er sich selber ergeben möchte. So lassen wir ihn in Sicherheit zu seinen Verwandten zurückkehren. Er muss sich nur selber von dem distanzieren, was er getan hat. Selbst wenn er tausend Männer von uns getötet hat.
Ahmad Mansour: Bevor Jisr al-Shoughour in eure Hände fiel und das Staatskrankenhaus und ich war dort, verfolgte die Schlacht von Beginn an, bis sie belagert wurde. Bevor sie fiel, ein Tag oder zwei, haben sich einige Soldaten selber ergeben.
Abu Muhammad al-Joulani: Derjenige, der sich ergibt, bevor wir ihn gefangen genommen haben und Macht über ihn in einem erbitterten Kampf erlangt haben, kann in Sicherheit zu seinen Verwandten gehen. Wir werden ihm nicht schaden.
Ahmad Mansour: Kann ich dies als eine Einladung an alle Soldaten betrachten, die in der Armee des Regimes kämpfen?
Abu Muhammad al-Joulani: Dies ist etwas, das wir bereits anwenden und viele Menschen wissen das, selbst die Soldaten des Regimes wissen dies. Als der Flughafen Abu Dhuhur belagert wurde, kamen viele Leute heraus und (ergaben sich selber) und dies geschieht häufig, nicht nur ein von zwei Malen, um diesen bestimmten Vorfall als Beweis zu nehmen. Es geschah viele Male. Manchmal macht das Regime ihnen Angst, dass al-Nusrah sie schlachten wird oder dass die Mujahidin sie schlachten werden und dass Jaish al-Fath sie alle töten wird. Doch das Gegenteil trifft ein. Und es gibt jene, die von ihren Verwandten überzeugt wurden, sich uns zu ergeben, selbst nachdem sie von den belagerten Gebieten geflohen waren. Ich spreche über einen Soldaten, der seine Waffe gegen uns erhoben hatte und der sich selber von dem Regime und seinen Taten distanzierte und er kam und ergab sich und gab seine Waffen ab und er ging in Sicherheit zu seiner Familie. Was ist also mit Sekten? Wenn sie zu der Religion Allahs, dem Allmächtigen, zurückkehren und sich selber von den brutalen Morden des Regimes gegen die Muslime und die Sunnis distanzieren, werden sie zu unseren Brüdern. Wir werden sie vor dem beschützen, wovor wir uns selber beschützen. Ich sage dies, da dies das Fundament unserer Religion ist. Ich sage dies nicht, da wir vor den Anschuldigungen fliehen, Minderheiten zu unterdrücken und ähnliche Propaganda.
Ahmad Mansour: Die wichtige Frage dreht sich nun darum; die westlichen Medien konzentrieren sich sehr viel auf eure Haltung gegenüber anderen Volksgruppen und Religionen.
Abu Muhammad al-Joulani: Uns ist es egal, was der Westen sagt. Was uns wichtig ist, ist das Einführen der Sharia Allahs, des Allmächtigen. Die Sharia von Allah ist sehr weit. Wir benötigen den Westen nicht, um uns zu erklären, was die Rechte der Menschen und Tiere sind. Der Westen versucht immer mit Gleichgewichten zu spielen. Sie wollen, dass Shaam von einer Minderheit regiert wird und nicht von einer Mehrheit. Eine Minderheit, die sie kontrollieren können. Daher wollen sie, dass Bashar al-Assad an der Macht bleibt. Sie wollen zu mindest, dass die Überreste dieses Regimes bleiben, wenn Bashar am Ende dieser Straße nicht an der Macht bleiben kann. So weigern wir uns zuzulassen, dass der Islam ein Gefangener ist, der mit diesen Anschuldigungen konfrontiert wird. Wir haben die reine Religion Allahs, des Allmächtigen, wir gehen mit jedem, um uns herum, mit dem Buch Allahs und der Sunnah Seines Gesandten (sas) um. Und wir schämen uns für nichts. Es gibt nichts, das uns unbehaglich fühlen lässt. Die Christen beispielsweise, es gibt eines sehr große Propagandakampagne, über das Schicksal der Christen. Die Christen stehen momentan im Allgemeinen in den Reihen des Regimes und wir sagten, dass wir zur Zeit gegen jene kämpfen, die uns bekämpfen. Wir kämpfen nicht gegen Christen im allgemeinen Sinne. Wir kämpfen gegen jene, die uns bekämpfen. Doch selbst wenn wir eine islamische Herrschaft erlangen würden und wir die Sharia auf Allahs Erde einsetzen wollen, sehe ich, dass die Christen im Schatten der islamischen Herrschaft Vorteile haben.
Ahmad Mansour: Ich möchte über die Christen zu diesem Zeitpunkt sprechen und nicht über jene, die sich im Schatten des islamischen Staates befinden, den ihr vielleicht in der Zukunft regieren werdet.
Abu Muhammad al-Joulani: Die Situation der Christen zu diesem Zeitpunkt ist die, dass wir nicht jene bekämpfen, die uns nicht bekämpfen und die Christen kämpfen momentan nicht (als Ganzes). Wenn wir die islamische Herrschaft in dem Gebiet errichten, werden sie entsprechend dem islamischen Gesetz geurteilt. Die Angelegenheit der Bezahlung der Jizya wird nur bei denjenigen angewandt, die dazu in der Lage sind, sie zu bezahlen. Und jene, die es nicht können, müssen es nicht bezahlen.
Ahmad Mansour: Doch momentan fordert ihr nichts von ihnen?
Abu Muhammad al-Joulani: Nein, im Moment tun wir dies nicht.
Ahmad Mansour: Und ihr nehmt keine Frauen zu Sklaven (Kriegsgefangene), wie die Medien es behaupten usw.?
Abu Muhammad al-Joulani: Wir befinden uns nicht im Krieg mit den Christen momentan. Wir machen die Christen nicht für das schuldig, was Amerika verbricht. Und wir machen sie auch nicht dafür verantwortlich, was die christlichen Kopten in Ägypten verbrechen. In Madina, zu der Zeit des Gesandten Allahs (sas), lebten zwölf jüdische Stämme. Doch er machte Ghaybar nicht dafür verantwortlich, was Banu Quraydha tat und er machte Banu Quraydha nicht dafür verantwortlich, was Banu Qaynuqa´ tat. Jeder ist für seine eigenen Taten verantwortlich, die unabhängig von dem anderen bestraft werden müssen. Die Bestrafung muss der Tat entsprechen.
Ahmad Mansour: Es gibt shiitische Dörfer, die in diesen Gebieten von euch belagert werden, in Reef Idlib beispielsweise, in al-Qu´a und Qfarya, in Aleppo.
Abu Muhammad al-Joulani: Dies waren Militärbaracken des Regimes und sie sind es immer noch. Dies sind Dörfer, die gegen die Muslime und die Sunnis kämpfen. Sie entführen Sunnis aus ihren Nachbarsdörfern. Das Regime schießt Kanonen und Raketen aus diesen Dörfern auf alle umliegenden Gebiete. Dies sind Dörfer, die im vollkommenen Sinne kämpfen. Daher werden sie momentan belagert. Sie wurden belagert, nachdem das Regime Idlib verlassen hat, so ja, sie befinden sich unter einer Blockade.
Ahmad Mansour: Die Frist, die ihr den Alawiten gegeben habt, gebt ihr eine offene Frist oder eine geschlossene Frist, während der Kampf weitergeht und ihr ihre Gebiete zu jedem Zeitpunkt betreten könnt? Manche Dörfer sind sogar, nachdem ihr bestimmte Gebiete erreicht habt, wusstest du, dass die Bewohner einiger umliegenden, alawitischen Dörfer zu anderen Dörfern geflohen sind, aus Angst vor euch?
Abu Muhammad al-Jouani: Bei Allah, die Organisation der Jaish al-Fath basiert auf gegenseitiger Beratung (Schura). Ich spreche im Moment über die Vision von Jabhat al-Nusra und ich glaube nicht, dass es jemanden bei Jaish al-Fath gibt, der mir darin widersprechen würde. Doch die Grundlage ist auf Schura aufgebaut. Und diese Angelegenheit über eine bestimmte Frist wurde bis jetzt noch nicht erörtert. Doch was ich gesagt habe, befindet sich im Kontext zu unserem Verständnis des Buches Allahs, des Allmächtigen. Dies sollte der Kontext unserer Handlungen mit diesen Gruppen (Sekten) sein.
Ahmad Mansour: Ist Jaish al-Fath, die aus sieben kämpfenden Gruppen besteht, und ich sprach zu einigen Verantwortlichen von ihnen, eine strategische Koalition zwischen Jabhat al-Nusrah und diesen Gruppen oder ist es bloß eine taktische Phase?
Abu Muhammad al-Joulani: Jaish al-Fath begann als ein Operationsraum bei der Befreiung von Idlib. Diese Versammlung wurde gesegnet. So wurde es zu dem, was unter Jaish al-Fath bekannt ist und es basierte auf gegenseitige Beratung (Schura), ohne auf jemanden zu blicken, der diese Armee führt. Sie basiert auf der Grundlage der Schura zwischen allen Gruppen. Es ist keine Koalition zwischen Jabhat al-Nusrah und all jenen Gruppen, nein, es ist eine Koalition zwischen all diesen Gruppen gemeinsam. So befinden sich diese Gruppen nicht an einem Ende und Jabhat al-Nusrah am anderen Ende. Seitdem wir dieses Projekt begonnen haben, beraten wir uns mit all diesen Gruppen in der militärischen Arbeit.
Ahmad Mansour: Wie betrachtest du diese Gruppen aus einer fundamentalen, religiösen Perspektive (Aqidah), deine Verbündeten?
Abu Muhammad al-Joulani: Sie sind Muslime, selbst wenn sie sich etwas von uns unterscheiden. Es gibt manche Gruppen, die Fehler haben. Wir sehen über diese Fehler hinweg, aufgrund der enormen Schwere der Schlacht.
Ahmad Mansour: Und wie siehst du die allgemeinen Muslime in den Gebieten, die unter eurer Kontrolle fallen?
Abu Muhammad al-Joulani: Die Muslime sind natürlich Muslime.
Ahmad Mansour: Ihr macht also keinen Takfir auf sie?
Abu Muhammad al-Joulani: Wir machen keinen Takfir auf die Muslime. Um Takfir auf einen Muslim zu machen, benötigt man ein religiöses Urteil (Fatwa) durch jene, die in ihrem Wissen spezialisiert sind und dann können die allgemeinen Muslime die Urteile jener kopieren, die Wissen haben. Wir sagen, dass wenn ein bestimmter Vorfall stattfand, dass es einen Vorfall mit einem Muslim unter den Muslimen gab, dass dann ein Schüler des Wissens, jemand, der sich darum bemüht, Wissen zu erlangen, gefragt werden würde, sich diesen Fall anzuschauen und wie ein Richter darüber urteilen soll, ob diese Person den Islam verlassen hat.
Ahmad Mansour: So macht Jabhat al-Nusrah keinen Takfir auf Muslime, außer auf jene, die durch die Texte der Scharia den Islam verlassen haben? Und was ist mit den Anschuldigungen, dass ihr Takfiris seid?
Abu Muhammad al-Joulani: Dies ist wie die Anschuldigung, dass wir Terroristen sind. Dasselbe gilt für Takfiri. Dies ist eine Anschuldigung der Feindschaft gegen jene, die sie verteufeln wollen. Sie haben für jeden eine Anschuldigung vorbereitet, die sie auf ihn loslassen, bis sie die Menschen von ihm vertrieben haben. Dies ist die Grundlage (dieser Anschuldigungen).
Ahmad Mansour: Manche Gruppen in Jaish al-Fath, die sich in derselben Koalition befinden, wie ihr, sind dafür bekannt, dass sie ausländische Verbindungen haben und ausländische Unterstützung erhalten. Woher bekommt ihr eure Unterstützung?
Abu Muhammad al-Joulani: Unsere Unterstützung kommt durch Kriegsbeute, die Allah uns von dem Regime nehmen ließ. Und diese Gebiete sind weit und breit, es gibt viele befreite Gebiete und viel Handel, durch den wir in diesen Gebieten Nutzen ziehen. Und das Land von Shaam ist ein reiches Land. Es benötigt niemanden, der ihm Spenden gibt. Wenn die Unterstützung Bedingungen hat, dann ist es eine sehr gefährliche Form der Unterstützung, die zu der Politisierung in der Zukunft führen wird. Wir, und alles Lob gebührt Allah, weigerten uns, selbst nur einmal mit Geheimdiensten oder irgendwelchen Regierungsabteilungen oder Regierungsvertretern zu sitzen und wir haben nichts von ihnen angenommen.
Ahmad Mansour: Ihr habt keine Verbindung zu einem Geheimdienst oder einem anderen Land?
Abu Muhammad al-Joulani: Wir besitzen absolut keine Verbindungen zu einem von ihnen.
Ahmad Mansour: Und ihr bekommt keine Unterstützung aus bestimmten islamischen Ländern, die einigen Gruppen helfen?
Abu Muhammad al-Joulani: Wir bekommen keine Unterstützung aus irgendeinem Land, egal welches Land es auch sein mag.
Ahmad Mansour: Reichen die inländischen Ressourcen innerhalb Syriens aus, um einen Krieg zu finanzieren?
Abu Muhammad al-Joulani: Ich möchte hier etwas erklären. Es gibt in einigen Kampfgruppen eine Illusion bezüglich ihrer Verbindungen zu dieser (ausländischen) Unterstützung. Als Erstes, es gibt keine Unterstützung ohne Bedingungen. Den Gruppen werden Bedingungen auferlegt und es ist nicht notwendig, dass gesagt wird „wir geben dieses und jenes als eine Bedingung an“. Manchmal werden sie ausgedrückt, ohne dass sie es wissen. Beispielsweise, es gibt eine Wichtigkeit auf dem Schlachtfeld, Krieg in Aleppo zu führen. Dann kommen die Unterstützer dieser Gruppen und sagen: „Wir sehen die Tragödie in Homs und was dort geschieht. Hier, nehmt diese Hilfe, um die Straße nach Homs zu öffnen.“ Doch in Realität benötigt das Schlachtfeld eine Operation in Aleppo und nicht in Homs. So richten sie diese Kampfgruppen in diese Richtung, so dass sie einen politischen Fall für einen Friedensvertrag schaffen oder etwas anderes, was die Vertreter der UN in Aleppo möchten. So wenden sich diese Kampfgruppen von einer wichtigen Schlacht ab und vielleicht ist es umgekehrt und es ist Homs, das dies benötigt, doch sie richten sie auf Aleppo. So ist dies eine Form des Druckmittels und nicht eine direkte Bedingung, die sie aufstellen. Diese Menschen wissen, wie sie mit ihnen verhandeln müssen.
Ahmad Mansour: Bedeutet dies also, dass diejenigen, die die Kämpfe in Syrien leiten, die ausländischen Unterstützer sind, da sie die Kämpfe durch ihre Unterstützung steuern?
Abu Muhammad al-Joulani: Nein, nicht in diesem Ausmaß. Es gibt Gruppen, die sie nicht im Mindesten kontrollieren, wie Jabhat al-Nusrah, und wir versammeln alle anderen Gruppen in einem Kampf, wenn wir eine bestimmte Front eröffnen, kommen all diese Gruppen und schließen sich uns an.
Ahmad Mansour: Diese Kampfgruppen sind wie ihr in Syrien anwesend, aber wie baut ihr euch durch die inländischen Ressourcen in den weiten befreiten Gebieten auf, während sie ausländische Hilfe erhalten, obwohl sie wie ihr auch die inländischen Ressourcen nutzen könnten?
Abu Muhammad al-Joulani: Das Problem ist, dass diese Gruppen auf diesem Fundament aufgebaut sind, sie sind von ausländischer Unterstützung abhängig und ich habe einige dieser Unterstützungen recherchiert und ich habe herausgefunden, dass diese Unterstützung sehr dürftig ist und sie es nicht wert ist, dass man deswegen mit ihnen zusammensitzt. Sie kommt in Form einiger Lieferungen und Ähnlichem. Und du und jeder hat im Fernsehen gesehen, dass all diese Kampfgruppen z.B. Panzer besitzen. Besteht also diese Unterstützung aus Panzern? Panzer werden als Kriegsbeute genommen. Was die Finanzen angeht, so werden sie nicht finanziert, um ihre Organisation aufzubauen, sondern sie werden z.B. nur für einen bestimmten Kampf finanziert. Diese Gruppen haben diese Angelegenheit nicht ausreichend bedacht und verließen sich auf ausländische Unterstützung. Wir sehen natürlich eine Gefahr für diese Gruppen und für das Schlachtfeld, wenn die Unterstützung auf diese Weise fortgesetzt wird. Es ist notwendig, dass es bis zu einem bestimmten Grad Unabhängigkeit gibt. Der Teufel benutzt das Erlangen von Versorgung als eines seiner Pfade.
Ahmad Mansour: Hat irgendein Land oder eine Organisation oder ein Geheimdienst euch Unterstützung angeboten?
Abu Muhammad al-Joulani: Wir haben die Möglichkeit für solche Angebote nicht gegeben. Jeder kennt unsere Meinung sehr gut. Wir akzeptieren keine Unterstützung. Wir wollen noch nicht einmal, dass diese Menschen einen Botschafter schicken. Diese Tür ist vollständig geschlossen, soweit es uns angeht. Wir werden sie nicht öffnen. Wir wollen in den Entscheidungen und Erlässen frei unabhängig bleiben, doch diese Gruppen verlassen sich hauptsächlich auf ihre ausländische Versorgung und Finanzierung.
Ahmad Mansour: Ich bin einige Tage durch Idlib, Aleppo und durch umliegende Gebiete gereist. Ich bin hunderte Kilometer gefahren, sprach mit Menschen und fand heraus, dass die gebiete sehr wohlhabend sind. Sie versorgen sich unabhängig von ausländischer Hilfe vollständig selber. Doch zur selben Zeit fand ich heraus, dass die Menschen keine Steuern bezahlen, sie bezahlen nichts, was ihr ihnen auferlegen könntet. Selbst Elektrizität und Wasser ist kostenlos in den Gebieten, in denen es Elektrizität und Wasser gibt. Woher bekommt ihr also eure Unterstützung?
Abu Muhammad al-Joulani: Der Prophet (sas) sagte: „Meine Versorgung ist unter dem Schatten meines Speeres.“ Unsere Finanzierung entsteht hauptsächlich durch Kriegsbeute, die wir durch die Armee des Regimes erlangen.
Ahmad Mansour: Reicht das aus?
Abu Muhammad al-Joulani: Was die Versorgung und Ähnliches angeht, so reicht dies durch den Segen Allahs, des Allerbarmers, aus. Und es gibt etwas Handel, den wir in manchen befreiten Gebieten betreiben und wir entwickeln auch einige der Kriegsbeute, die wir nehmen. Es gibt verschiedene Einnahmen, die ausreichen, um uns selber zu versorgen. Und da wir vor Kurzem finanzielle Hilfe von Muslimen außerhalb Syriens gesammelt haben, doch in manchen Phasen ist es schwierig und sie werden davon abgehalten dies zu tun.
Ahmad Mansour: So akzeptiert ihr finanzielle Hilfe von Muslimen, aber von Individuen und nicht von Ländern?
Abu Muhammad al-Joulani: Ja, individuelle Hilfe von Muslimen.
Ahmad Mansour: Wenn manche Länder bereit wären, Hilfe ohne Bedingungen zu leisten, würdet ihr dies akzeptieren?
Abu Muhammad al-Joulani: Wir akzeptieren nichts von Ländern und Regierungen, denn es gibt keine bedingungslose Hilfe. Selbst wenn sie dies behaupten, so widerlegt dies die Realität. Es wird dasselbe geschehen, das einigen Kampfgruppen widerfahren ist, sie werden unter Druck gesetzt.
Ahmad Mansour: Aber ihr nehmt die Hilfe eines Muslims an?
Abu Muhammad al-Joulani: Ja, wir nehmen von den allgemeinen Muslimen und dies ist Halal für uns, dies zu tun.
Ahmad Mansour: Und dies reicht euch aus, um diese lange Schlacht fortzusetzen?
Abu Muhammad al-Joulani: Mit der Erlaubnis Allahs ist das Gute ergiebig und viel, aller Dank gebührt Allah. Und Allah vergießt niemanden. Und die Menschen lieben Jabhat al-Nusrah, sie lieben die Organisation der al-Qaidah. Sie fühlen sich aus dieser Perspektive hinein. Und wir hoffen von allen Muslimen, dass sie die Mujahidin finanzieren, dass sie die Menschen des Jihads im Gebiet des Jihads finanzieren und dass sie von ihrem Geld nach Shaam schicken.
Ahmad Mansour: Bedeutet dies, dass die befreiten Gebiete sich ausreichend selber versorgen können und finanziell in der Lage sind, Jabhat al-Nusrah und anderen Gruppen zu helfen, einen langen Krieg gegen das Regime zu führen?
Abu Muhammad al-Joulani: Natürlich, insbesondere, wenn all diese Bemühungen miteinander kombiniert werden, denn diese Ressourcen werden unter uns, diesen Gruppen und Truppen aufgeteilt. Wenn diese Bemühungen unter einem Rahmen vereint werden würden, könnten sie sich vollkommen selber versorgen, mit dem Willen Allahs. Und selbst wenn sie etwas ausländische Hilfe am Rande bekämen, würde es keine Probleme geben. Aber dass die Verordnungen einiger dieser Gruppen oder ihre Motivation geraubt wurde oder dass sie unter Druck gesetzt werden, bestimmte öffentliche Erklärungen zu machen oder bestimmte Dinge zu sagen, um die Unterstützer zufrieden zu stellen, dann würden diese Gruppen ihrer Motivation beraubt werden. Und wir würden Phasen durchleben, die sehr viel schwerer sind, als jene, die wir zu früheren Phasen durchlebt haben. Wenn diese Verordnungen durch andere entführt werden und sich nicht in den Händen dieser Kampfgruppen befinden, dann wird dies ein Problem für Shaam sein. Ausländische Mächte sorgen sich nur um ihren eigenen Nutzen, ihre Emotionen werden nicht durch die Kinder und Frauen bewegt, die getötet werden und durch die Menschen, die obdachlos werden. Ihre Emotionen werden nicht im Mindesten bewegt. Sie sorgen sich nur um ihren Nutzen. So leiten sie diese Gruppen in die Richtung ihres Vorteils.
Ahmad Mansour: Ich habe viele Erlässe in den letzten Tagen studiert, dass viele dieser Kampfgruppen, die mit euch in Jaish al-Fath verbündet sind, momentan unter Druck gesetzt werden, Jabhat al-Nusrah aus der Koalition zu vertreiben oder sie zu verlassen, damit die ausländische Hilfe fortgesetzt wird.
Abu Muhammad al-Joulani: Sie sind nicht in der Lage, dies zu tun. Jabhat al-Nusrah ist keine zu vernachlässigende Quelle auf dem Schlachtfeld, alles Lob gebührt Allah. Jeder weiß, dass Jabhat al-Nusrah die Vorhut in diesem Krieg ist, mit der Kooperation aller anderen Gruppen, werden wir nicht die Rechte von jemandem herunterspielen. Schau dir die Operationen in Daraa und in al-Qalamun, in Homs, in Hamaa, in Idlib und in Aleppo an. Alle Gruppen wissen, dass Jabhat al-Nusrah keine zweitrangige Quelle auf dem Schlachtfeld ist. Vielmehr ist sie eine wichtige Quelle, die nicht ignoriert werden kann. Viele Menschen wissen dies und Jabhat al-Nusrah kann zu keinem möglichen Moment eine nebensächliche Rolle einnehmen. Mit der Gnade Allahs besitzen wir eine beliebte Präsenz unter den Menschen. Wir haben viele öffentliche Dienste am laufen und wir haben militärische Operationen, die überhaupt nicht ignoriert werden können. Darüber hinaus brauchen wir niemanden, der uns akzeptiert oder nicht. Wir arbeiten für die Sache Allahs, dem Allmächtigen. Und viele aufrichtige Gruppen, selbst wenn ihre Führer von psychologischen Unsicherheiten betroffen wurden und sich von einigen ihrer Werte abgewandt haben, halten viele Soldaten dieser Gruppen und Führer eng an uns durch die Gnade Allahs.
Ahmad Mansour: Die USA beschreiben euch seit 2012 als eine Terrororganisation, die UN hat euch auf eine schwarze Liste gesetzt. Die amerikanischen Flugzeuge, gemeinsam mit den syrischen Flugzeugen, Seite an Seite in der syrischen Luft, führen momentan Bombardierungen auf eure Stützpunkte aus. Ich befand mich vor einigen Tagen an einem Ort und es gab dort heftige Bombardierungen. Ich habe später herausgefunden, dass es Stützpunkte der Jabhat al-Nusrah waren. Am letzten Tag ging ich an diesen Ort und ich stellte fest, dass die Gebäude nicht mehr existierten. Es gab gar keine Überreste mehr von diesen Gebäuden. Ich weiß nicht, welche Form der Waffe sie benutzt haben. Ich fand einige Granatsplitter und versuchte einen aufzuheben, doch er war sehr schwer. Nicht nur Jabhat al-Nusrah kämpft gegen das Regime. Es ist ein gemeinsamer Krieg mit anderen Gruppen.
Abu Muhammad al-Joulani: Es gibt natürlich eine große internationale Koalition, die auf dem syrischen Schlachtfeld aktiv ist; gegen die iranische Koalition, mit den Nusairys und den Hizbullah, und dem syrischen Regime und mit regionalen Mächten und mit der internationalen Koalition und manchen Gruppen, die der internationalen Koalition halfen und ebenso gegen die Gruppe, die als IS bekannt ist. So gibt es für Jabhat al-Nusrah große Herausforderungen. Was die internationale Koalition angeht und die Heuchler des Westens, so sind sie bekannt und aufgedeckt. Sie benötigen keine weitere Erklärung oder Ausführung. Dies ist ihre Rolle an jedem Ort zu jedem Moment. Sie sind diejenigen, die diese Führer und Tyrannen schufen und sie sind diejenigen, die sie beschützen. Und die internationale Gemeinschaft weiß ganz genau, dass diejenigen, die die größte Wirkung auf das Regime der Nusairys haben, die Jabhat al-Nusrah ist. Daher versuchen sie uns durch falsche Behauptungen zu schwächen, wie dass sie sagen, dass es eine Khorasan Gruppe gibt. Es gibt keine Organisation mit dem Namen Khorasan-Gruppe. All diese Stützpunkte waren Stützpunkte der Jabhat al-Nusrah und all jene, die getötet wurden, waren von Jabhat al-Nusrah und einige Zivilisten, die sie bei den Bombardierungen auch getroffen haben.
Ahmad Mansour: Ich fand den Ort der so genannten Khorasan-Gruppe. Ich ging dorthin und ich befragte die Bewohner. Und ich erfuhr, dass jene, die getötet wurden, zu den Menschen aus dem Dorf gehörten?
Abu Muhammad al-Joulani: Es gibt nichts, das Khorasan-Gruppe genannt wird. Wir haben davon nur durch die Amerikaner gehört. Das Gebiet ist für jeden unter den Menschen frei zugänglich und es gibt keine geheimen oder öffentlichen Organisationen. Alle Organisationen sind öffentlich und freigelegt. Es gibt Jabhat al-Nusrah und es gibt Menschen aus Khorasan, die in Afghanistan und in Pakistan im Jihad waren und zum syrischen Schlachtfeld gekommen sind. Diese Menschen sind unter unseren Reihen anwesend. Die Amerikaner behaupteten natürlich, dass sie versuchen würden, Amerika anzugreifen und dass sie eine Bedrohung darstellen würden und diese Art von Behauptungen. Doch die Amerikaner konnten nichts von diesen Behauptungen beweisen und es stimmt nichts.
Ahmad Mansour: Ist es möglich, dass Syrien zu einem Schlachtfeld mit einem Kampf zwischen Jabhat al-Nusra und dem Westen wird?
Abu Muhammad al-Joulani: Was Jabhat al-Nusra angeht, so sind die Richtlinien, die wir von Dr. Ayman az-Zawahiri, möge Allah ihn beschützen, erhalten haben, dass die Wichtigkeit der Jabhat al-Nusra in Shaam darin besteht, das Regime, seine Symbole und seine Verbündeten auszulöschen. Ich meine, wie Hizbullah und andere. Und dass wir mit den Gruppen kooperieren, die um eine rechtgeleitete, islamische Regierung kämpfen, die die Muslime genießen können. Und die Richtlinien, die wir bekommen haben, besagen, dass wir uns davon fernhalten sollen, Shaam als Stützpunkt zu benutzen, um den Westen und Europa anzugreifen, so dass wir den gegenwärtigen laufenden Kampf nicht stören. Vielleicht führt die Organisation der al-Qaida dies aus, aber nicht von Shaam aus. Dies sind Richtlinien und die Verordnung, die wir von Dr. Ayman erhalten haben.
Ahmad Mansour: So ist diese Strategie momentan auf Shaam beschränkt?
Abu Muhammad al-Joulani: Ja, Shaam und Hizbullah.
Ahmad Mansour: Was ist, wenn die amerikanische Bombardierung auf euch und eure Stützpunkte fortgesetzt wird?
Abu Muhammad al-Joulani: Das Gute ist offen und es ist das Recht jeder Person, sich selber zu verteidigen. (So ja), das Gute ist offen. Die Richtlinien, die wir bis jetzt erhalten haben, besagen, dass wir uns davon fernhalten sollen, den Westen und Amerika von Shaam aus anzugreifen. Und wir befolgen die Richtlinien von Dr. Ayman az-Zawahiri, möge Allah ihn beschützen. Doch wenn die Situation auf diese Weise anhält, glaube ich, dass es zu Resultaten kommt, die nicht zum Nutzen des Westens und nicht zum Nutzen Amerikas sein werden.
Ahmad Mansour: Wie ist deine Ansicht über die amerikanische Rolle in dem syrischen Krieg?
Abu Muhammad al-Joulani: Seine Rolle ist es, das Regime zu unterstützen.
Ahmad Mansour: Amerika unterstützt das Regime?
Abu Muhammad al-Joulani: Ja, Amerika unterstützt das Regime und heuchelt in den Medien; dass es mit dem syrischen Volk sei und gegen dieses Regime. Doch Amerika unterstützt das Regime auf jede erdenkliche Weise. Die deutlichste Methode, mit der sie das Regime unterstützen, ist, indem sie Jabhat al-Nusra, die die Muslime verteidigt, bombardieren. Und jeder kann dies bezeugen. Weshalb greifen sie sie also an? Insbesondere wenn wir Druck auf das Regime ausüben, beginnen sie ihre Angriffe gegen Jabhat al-Nusra. Die amerikanische Rolle mit der internationalen Koalition ist eine Rolle, in der sie diese Menschen und das Volk Shaams betäuben, bis sie eine Lösung für eine Vereinbarung erlangen. Natürlich wird diese Vereinbarung auf dem Blut der Sunni Muslime aufgebaut sein. Ob Bashar an der Macht bleibt oder beseitigt wird und das Regime bleibt, Bashar war nicht derjenige, der selber getötet und ermordet hat. Er gab vielmehr die Befehle dazu und das Modell dieses Regimes hat nichts verändert. Amerika möchte für Shaam dasselbe, was im Jemen geschehen ist. Das ein Gesicht geht und ein anderes Gesicht es ersetzt. In jedem Fall muss es eine Regierung geben, die sich dem Diktat der Amerikaner ergibt. Amerikas Beschreibung jeder Organisation und Regierung ist eigentlich eine Beschreibung für jeden, der das internationale und amerikanische Diktat verlässt. Daher ist ihre Rolle, die der Unterstützung des Regimes. Ihre Wichtigkeit liegt nur darin, die Menschen durch einige Konferenzen wie in Genf 1, 2 und 3, den arabischen Konferenzen, einer globalen Konferenz nach der anderen zu betäuben.
Ahmad Mansour: Ihr habt an keinem dieser ausländischen, politischen Konferenzen teilgenommen, die der Westen für die Angelegenheit Syriens und der Lösung organisiert hat.
Abu Muhammad al-Joulani: Wir haben in dem vorangegangenen Treffen erwähnt, dass selbst die Kinder von Syrien dies nicht akzeptieren. Jeder in Shaam stimmt diesbezüglich zu. Niemand spricht darüber, bis auf wenige Politiker, die außerhalb Syriens leben und die nicht den Schmerz der Muslime in Shaam von nächster Nähe erleben. Dies ist etwas, das für Jung und Alt deutlich ist. Die Menschen wählen und sie wissen, dass die Mujahidin, mit der Macht ihrer Waffen, diese Situation ändern werden, in der sie sich befinden, nicht die Konferenzen von Genf und nicht die Treffen in Washington oder mit der UN usw..
Ahmad Mansour: Von den Dingen, die ich bezeugt habe, als ich zwischen den Dörfern und Städten von Aleppo nach Idlib reiste, war, dass die Menschen in den Gebieten, die aus ungefähr fünf Millionen Syrern bestehen, fast vollständig sicher leben, abgesehen von den Fassbomben, die von dem Regime abgeworfen werden, sowie einigen Koalitions-Luftschlägen gegen sie. Gibt es eine Koordination zwischen den Flugzeugen im syrischen Luftraum?
Abu Muhammad al-Joulani: Natürlich. Dies ist jedem bekannt. Es gibt keinen Luftraum für zwei verschiedene Flugzeuge. Dies gilt für kommerzielle Flugzeuge, was ist dann erst mit militärischen? Es gibt Fluglinien für kommerzielle Flüge, eine saudische und eine türkische Luftlinie gehen in die Luft und sie müssen sich gegenseitig koordinieren. Was ist dann also mit den militärischen? Glaubst du, dass ein amerikanisches Flugzeug den Luftraum zur selben Zeit betritt, wenn es ein Kampfflugzeug des syrischen Regimes gibt, ohne dass sie sich untereinander koordinieren? Wie kann dies sein?
Ahmad Mansour: Beschuldigst du Amerika, dass es mit dem Regime, Luftschläge koordiniert?
Abu Muhammad al-Joulani: Wir haben Beweise dafür. Dies ist etwas Offensichtliches. Es ist offensichtlich.
Ahmad Mansour: Welche Art der Beweise hast du?
Abu Muhammad al-Joulani: Wir haben Kameraaufzeichnungen von amerikanischen Flugzeugen und syrischen Flugzeugen.
Ahmad Mansour: Einige der Mujahidin zeigten mir Bilder auf meinen Reisen und sagten, dass dies amerikanische Flugzeuge seien und direkt danach, zeigten sie mir syrische Flugzeuge. Und ich war überrascht. Wie ist es für zwei Flugzeuge von zwei Regierungen möglich, in solch einer Harmonie zu fliegen?
Abu Muhammad al-Joulani: Ja und dies inmitten einem Luftraum einer Kriegszone. Wenn es ein neutraler Luftraum wäre, vielleicht, aber nicht in einem Kreigsluftraum.
Ahmad Mansour: Aber du hast Beweise von Kameraaufnahmen?
Abu Muhammad al-Joulani: Ja, wir haben Kameraaufnahmen. Wenn du möchtest, kann ich sie dir zur Verfügung stellen.
Ahmad Mansour: Ja, bitte, wenn du sie zur Verfügung stellen kannst. Die Länder, die das Regime in Syrien unterstützen, sind darum bemüht, den Fall von Damaskus zu verhindern und in deiner derzeitigen Vision sagtest du etwas, das vielleicht für viele Menschen seltsam klingt, dass das erste Land, das darum bemüht ist, den Fall des syrischen Regimes zu verhindern, die Vereinigten Staaten Amerikas sind. Was ist mit der direkten Unterstützung von den Ländern in der umliegenden Region und sind sie ebenso darum bemüht, den Fall zu verhindern?
Abu Muhammad al-Joulani: Du meinst Iran oder Hizbullah?
Ahmad Mansour: Wie Hizbullah, da ihr mit ihnen in Kämpfen verwickelt seid und der Iran.
Abu Muhammad al-Joulani: Nun, was Hizbullah angeht. Hizbullah wusste von Beginn an des Jihads (in Syrien), nicht von Beginn der Revolution, sie wussten, dass die Brutalität und die Kriminalität dieses Regimes in der Lage war, diese Proteste zu vernichten, die zu Beginn auftraten. Doch dann sahen sie das Erscheinen des Jihads, der Mujahidin und der Fahnen des Jihads. Sie sahen, dass die Situation zu diesem Zeitpunkt eine ernste Wende nahm. Sie erkannten vollständig, dass das Schicksal von Hizbullah stark und wesentlich und öffentlich mit dem Schicksal von Bashar al-Assad verbunden war. Die Vernichtung von Bashar al-Assad bedeutet automatisch die Vernichtung von Hizbullah. Wenn Bashar al-Assad vernichtet werden würde, wäre es nur eine Frage der Zeit für Hizbullah. Hizbullah besitzt viele Feinde im Libanon und diese Feinde werden stärker werden und ihre Stimmen werden sich erheben, nur durch das Verschwinden von Bashar al-Assad. Da Bashar al-Assad der öffentliche Unterstützer der Hizbullah ist.
Ahmad Mansour: Und nicht das Gegenteil?
Abu Muhammad al-Joulani: Nein, nicht das Gegenteil. Momentan unterstützt Hizbullah Bashar al-Assad, aufgrund des Zustands, den das Regime erlangt hat und es versucht mit allem, was es besitzt, es versucht vergeblich alles, um das zu retten, was von dem Leben von Bashar al-Assad noch übrig geblieben ist. Denn sie wissen, dass das Ende von Bashar al-Assad ihr eigenes Ende bedeutet. So betraten sie den Krieg, trotz ihres Wissens von den Verlusten, die sie erleiden würden, große Verluste, auf öffentlicher oder politischer Ebene und sogar auf militärischer Ebene. Es begann einen unzureichenden, aber notwendigen Krieg, aus ihrer Perspektive. Sie wissen dies sehr wohl von Anfang an. Und wir, bis zum jetzigen Moment, trotz der Kämpfe, die in al-Qalamun anhalten – Jabhat al-Nusra und andere Gruppen in Shaam haben bis jetzt keine große Offensive gegen sie aufgebaut. Wir kämpfen gegen Hizbullah momentan mit einer sehr kleinen Anzahl, die wir in al-Qalamun haben.
Ahmad Mansour: Aber Hassan Nasrallah sprach von dem Kampf in al-Qalamun, dass es eine entscheidende Schlacht sei und dass sie Seige erlangt hätten, durch die sie die syrischen Rebellen vertrieben hätten?
Abu Muhammad al-Joulani: Hizbullah versucht den Libanesen Angst einzuflößen, dass sich eine Gefahr dem Libanon annähert. Doch die Realität ist, dass die Gefahr sich Hizbullah annähert und nicht dem Libanon. Libanon hat keine Verbindung zu dieser Gefahr. So versucht er all diese verfügbaren Ressourcen im Libanon zu mobilisieren, unter dem Vorwand, dass dies eine Gefahr für jeden sei und nicht nur für ihn. Daher ist die Schlacht in al-Qalamun für ihn tatsächlich entscheidend, soweit es ihn angeht. Denn er versucht, seine westlichen Grenzen und einige schiitische Städte zu schützen.
Ahmad Mansour: Und so weit es dich betrifft?
Abu Muhammad al-Joulani: Die Schlacht dort ist ein Guerillakrieg. Und mit der Gnade Allahs haben wir großes Vertrauen in Allah, dem Allmächtigen, und danach in die Brüder, die dort anwesend sind. Wenn wir nicht mit einigen Kämpfen gegen das syrische Regime beschäftigt wären und wenn die Organisation, die als islamischer Staat bekannt ist, nicht Straßensperren zwischen uns und ihnen aufgestellt hätte…
Ahmad Mansour: Über die Organisation, bekannt als der (islamische) Staat – stimmt es, dass sie euch hinterrücks in al-Qalamun angegriffen haben?
Abu Muhammad al-Joulani: Ja, dort findet ein Kampf gegen das Regime auf der einen Seite statt und gegen Hizbullah auf der anderen Seite.
Ahmad Mansour: Was ist der Nutzen für die Organisation der (islamische) Staat, euch, die Mujahidin, anzugreifen, während ihr gegen Hizbullah und das Regime kämpft?
Abu Muhammad al-Joulani: Das Regime kämpft von einer Seite und Hizbullah kämpft von einer anderen Seite und die Organisation der (islamische) Staat kämpft von einer anderen. Sie sehen, dass als ein Treffen von Vorteilen oder etwas Ähnliches. Sie haben dies mehr als einmal getan, in Hasakah, in Deir az-Zour, selbst in Aleppo. Sie haben dies mehr als einmal getan. Sie benutzen die Angriffe des Regimes gegen uns in einer bestimmten Position, so dass sie uns von einer anderen Position aus angreifen und von schwachen Punkten in anderen Positionen. Dies ist ihre Politik, der sie vielleicht treu bleiben.
Ahmad Mansour: Welche ist die strategische und militärische Bedeutung des Gebiets von al-Qalamun, die den Führer der Hizbullah, Hassan Nasrallah, begierig darauf gemacht hat, dieses weite Gebiet anzugreifen, sei es in den Medien oder militärisch?
Abu Muhammad al-Joulani: Was Hizbullah angeht, es gibt dort Grenzen an ihrer Seite, die an einer schiitischen Stadt grenzen und er betrachtet diese Grenzen als Teil des Libanons. So versucht er sie nach seinen besten Möglichkeiten, zu beschützen. Und was uns angeht, so ist es ein wichtiges Zentrum, von wo aus wir Damaskus betreten können. Es ist eines der Zentren, von wo aus du Damaskus betreten kannst, wenn wir in Zukunft einen Kampf in Damaskus beginnen würden. Und was uns auch betrifft, so ist das Volk von Qalamun unser Volk. Einige Brüder, die dort kämpfen, stammen von den Menschen von Qalamun. Dies sind ihre Städte und Länder, von wo sie letztes Jahr vertrieben wurden und sie versuchen es wieder zu befreien.
Ahmad Mansour: Als ich versuchte die Weite der Schlacht auf der Karte zu verstehen, fand ich heraus, dass es mehr als 70km umfasst und das Berggebiet ist sehr hart.
Abu Muhammad al-Joulani: Ja, es ist nicht so leicht, wie die Menschen glauben.
Ahmad Mansour: Aber werdet ihr andere Kämpfe gegen Hizbullah eingehen, oder seid ihr zufrieden, nach dem Rückzug?
Abu Muhammad al-Jaulani: Die Schlacht hält an, diese Gebiete entsprechen nicht Städten, um zu sagen, wir haben dieses und jenes verloren. Dort sind Berge mit Hügeln usw... Dies führt zu Manövern. Du verlässt diesen Hügel und bewegst dich dann zu jenem Hügel, dies sind die Eigenschaften eines Guerillakrieges. Nicht wie das, was momentan in Idlib geschieht und in anderen Gebieten, wie Daraa und andere. Sie haben die militärischen Kriege entfaltet. Doch in Qalamun befinden wir uns immer noch in der Phase der Guerilla-Kriegsführung.
Ahmad Mansour: So wird sich der Krieg in Qalamun ausweiten?
Abu Muhammad al-Joulani: Die Schlacht wird sich ausweiten. Wir werden in dieser Angelegenheit nicht geteilt sein. Wir werden auf Damaskus konzentriert bleiben und auf den Fall des Regimes. Dann werden sich die Situationen automatisch ändern. Und ich wollte hervorheben, dass der Fall von Bashar al-Assad nicht sehr lange Zeit benötigt. Der Kampf befindet sich in seiner Endphase. Ich möchte nicht zu optimistisch sein, doch der Kampf läuft sehr gut und betritt mit dem Willen Allahs sein Ende.
Ahmad Mansour: Hier habe ich meine Zweifel bezüglich der Schlacht um Damaskus, dass sie eine entscheidende Schlacht ist.
Abu Muhammad al-Joulani: Hizbullah ist eine Frage der Zeit. Mit dem Fall von Bashar al-Assad wird sie sich automatisch in den Süden zurückziehen. Selbst ihre Anwesenheit wird verhandeln. Dies wird geschehen, ohne dass wir den Libanon betreten müssen. Dies wird durch die Kräfte erlangt werden, die bereits im Libanon vorhanden sind. Und ich rufe von diesem Platz aus alle Kräfte und Parteien, die im Libanon anwesend sind, das, was ich sage, sehr gut zu verstehen und sich danach zu richten.
Ahmad Mansour: Rufst du die syrisch-libanesischen Kräfte, die nicht mit dem syrischen Regime verbündet sind, dazu auf, sich an dem Fall des Regimes zu beteiligen?
Abu Muhammad al-Joulani: Natürlich, denn es ist zu unser aller Nutzen.
Ahmad Mansour: Welchen Nutzen haben sie von dem Fall von Bashar al-Assad?
Abu Muhammad al-Joulani: Libanon lebt in Unterdrückung durch das Regime von Bashar al-Assad für fast vierzig Jahre und alle Libanesen kennen die Bitterkeit, die sie durch die Autorität des Regimes schmecken. Es stimmt, das das Regime sich aus dem Libanon 2005 zurückzog, nachdem es Rafic al-Hariri getötet hatte, aber es hinterließ das Land in den Händen der Hizbullah, die nicht weniger brutal und kriminell sind, als das Regime von Bashar al-Assad. Nachdem also das Regime sich zurückgezogen hatte, vertraute es alles seinen Verbündeten Hizbullah an, den Stärksten im Libanon. Daher hatte Hizbullah viele Gegner im Libanon und es ist für Hizbullah unmöglich, den Libanon mit dem zu regieren, was es möchte. Der Libanon ist sehr komplex.
Ahmad Mansour: Hassan Nasrallah sagte viele Male, dass das Regime in Syrien nicht fallen wird, aufgrund der Unterstützung und Hilfe durch die Hizbullah. Wäre die Hizbullah nicht, wäre Bashar al-Assad schon längst gefallen?
Abu Muhammad al-Joulani: Dies ist eine Behauptung, die größer ist als die Realität. Es gibt viele Milizen, die das Regime von Bashar al-Assad benutzt. Und er stützte sich auf die Armee, die er hatte. Dieses Regime ist nicht so unbedeutend. Wir kämpfen gegen dieses Regime und es ist ein erbitterter Feind, der große Möglichkeiten hat. Hizbullah unterstützt ihn, aber nicht nur sie. Sie sind nur im Rampenlicht. Es gibt zahlreiche irakische Bataillone, die kamen und das Regime unterstützten. Es gibt auch Gruppen aus Afghanistan usw..
Ahmad Mansour: Kannst du eine Schätzung abgeben, wie viele Soldaten der Hizbullah das Regime unterstützen?
Abu Muhammad al-Joulani: Wir können dies nicht. Wir besitzen nicht die Information, um dies zu tun.
Ahmad Mansour: Welche sind die wichtigen Fronten, an denen sie gefunden werden können?
Abu Muhammad al-Joulani: Sie sind stark in Qalamun vertreten und an anderen Orten wie in Ostghuta zum Beispiel oder in dem gescheiterten Angriff, den sie in Quneitra ausführten, sie und die Iraner und diese anderen Gruppen. Sie haben fast an allen Orten Reviere, doch die meisten von ihnen sind beratend und Ähnliches. Sie sind in nahen schiitischen Gebieten anwesend, wie Nubl und Zahraa und die schiitischen Gebiete al-Fu´aa und Kfarya. Es ist nicht durch die Kraft des Regimes, dass sie in der Lage sind, diese Lücken und diese Untätigkeit zu schaffen. Es ist aufgrund der internen Differenzen und der inneren Kämpfe, die aufkamen. Das Regime nutzte dies und machte diese Annäherungen.
Ahmad Mansour: Doch der Kampf in Syrien, ist er wirklich ein entscheidender Krieg für Hizbullah?
Abu Muhammad al-Joulani: Ja, es ist für sie ein entscheidender Krieg. Wir sagten, dass ihre Schicksäle stark miteinander verbunden sind.
Ahmad Mansour: Hizbullah stand dicht bei Assad, um sich hauptsächlich selber zu beschützen, bevor sie das syrische Regime beschützten?
Abu Muhammad al-Joulani: Dies und das, beides.
Ahmad Mansour: Bedeutet der Fall des Assad-Regimes das Ende der Hizbullah im Libanon?
Abu Muhammad al-Joulani: Natürlich, Hizbullah kennt seine eigene Situation sehr gut. Wenn Sheikh Abu Malik, möge Allah ihn beschützen, in Qalamun und seine wenigen Männer, die kämpfen und alles taten, um Hizbullah zu beschädigen und zu verunsichern und die Angelegenheit für Hassan Nasrullah zu einer Angelegenheit machten, die „das Schicksal des ganzen Libanons“ betrifft. Was wäre dann, wenn Jabhat al-Nusra oder Jaish al-Fath vollständig oder verschiedene Gruppen, die Hizbullah bekämpfen, ernsthaft einen Kampf gegen Hizbullah beginnen würden. Was wäre dann ihr Schicksal?
Ahmad Mansour: Bist du davon überzeugt, dass der Kampf gegen Hizbullah ohne Zweifel kommen wird?
Abu Muhammad al-Joulani: Natürlich, es ist eine kommende Schlacht. Selbst wenn sie Qalamun momentan einnehmen würden, oder auch wenn nicht. Ich habe es erwähnt und ich werde dies nochmals hervorheben, so dass die Zuschauer dies sehr gut verstehen – das Schicksal von Hizbullah ist mit dem Schicksal des Regimes von Bashar al-Assad verbunden. Die Vernichtung von Bashar al-Assad bedeutet die Vernichtung von Hizbullah.
Ahmad Mansour: Mir verbleiben noch viele Themen. Die Rolle des Irans in der gesamten Region, seine Unterstützung des syrischen Regimes. Eure Beziehung zu der Organisation (islamischer) Staat und die großen Probleme, sei es im Glauben oder im Militär, zwischen euch und ihnen. Deine Vision der Zukunft Syriens und der Zukunft des Regimes und die Zukunft der fortlaufenden Kämpfe in Syrien. Ich heiße dich in einer nächsten Folge willkommen. Ich habe sehr viel von deiner Energie und deiner Zeit in Anspruch genommen. Und ich bedanke mich bei dir für deine Teilnahme. Ich bestehe sehr darauf, den Menschen dein Gesicht zu zeigen, denn niemand kennt dich bis zum jetzigen Zeitpunkt. Ich habe diese Angelegenheit respektiert. Und ich danke dir dafür. Ich wollte den Menschen nur erklären, weshalb du dein Gesicht nicht zeigst.
Abu Muhammad al-Joulani: Viele Menschen kennen mich, doch unsere Politik ist es, uns nicht selber in den Medien zu zeigen.
Ahmad Mansour: Vielleicht wirst du unsere Bitte in der nächsten Folge erfüllen. Ich danke dir. Und genauso danke ich den Zuschauern für Ihr aufmerksames Zuhören. Folgen Sie uns nächste Woche, um unsere Unterhaltung mit dem Führer von Jabhat al-Nusra und dessen Gründer in Syrien, Muhammad al-Joulani, fortzusetzen. Zum Abschluss grüße ich sie. Dies war Ahmad Mansour, der sie aus den befreiten Gebieten Nordsyriens grüßt. Mögen der Frieden und die Barmherzigkeit Allahs und Sein Segen auf Ihnen sein.


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